vrijdag 5 februari 2010

MARSHALL & ALEXANDER: "Freunde"

Nichts ist manchmal so schwer zu erklären wie die schlichte Wahrheit. „Wir haben hunderte von Konzerten ohne Mikros gesungen“, beginnt Marc Marshall eine

kleine, feine Aufzählung, „wir sangen auf englisch, französisch und italienisch Crossover und haben dann mit ’Götterfunken’ ein Klassik-Album aufgenommen,

das über ein Jahr lang in den Charts war. Wir sind keine zwei netten Jungs, die gecastet wurden, sondern zwei völlig unterschiedliche Individuen und

Individualisten mit völlig unterschiedlichen Ansätzen und Stimmen. Und wir kommen beide vom Gesang, nicht vom Songwriting.“ Jetzt aber haben Marc Marshall

und Jay Alexander, als Duo mit einem & zwischen ihren Nachnamen versehen, ein Songwriter-Album aufgenommen. Wer’s glaubt, wird selig, mag da mancher denken.

Und er hat Recht, allerdings im wörtlichen, nicht im sprichwörtlichen Sinne.
Das jüngste Album von Marshall & Alexander heißt schlicht „FREUNDE“ und ist in vieler Hinsicht neu. „Es war für uns“, sagt Marshall, „vor allem eine völlig

unbekannte Art des Produzierens. Es gab mit Frank Lauber einen gleichberechtigten Produzenten neben mir, wir wollten zurück zum Kern, also zum Musik machen.

Und das nicht im Studio, sondern in den Räumen einer privaten Villa.“ Die Idee dazu kam ihm während eines Besuches in Graceland, Memphis, Tennessee. Da stand

er vor dem legendären Jungle Room des King „und jemand sagte ’da hat Elvis also sein letztes Album aufgenommen’. Ich dachte nur: Steht eigentlich irgendwo

geschrieben, dass man ein Studio benutzen muss und die Band vom letzten Mal?“
„FREUNDE“ beweist ziemlich eindrücklich, dass man keineswegs muss. Das Duo, so hatte Marshall noch vor zehn Jahren konstatiert, stehe „für Melodie statt

Beats“, heute allerdings, sagt der 46-Jährige, „bemerken wir, dass uns durchaus eine erlebbare Evolution gelungen ist. Der Song steht vorn im Rampenlicht,

als Sänger nehmen wir uns zurück und verändern auch unsere Art zu singen.“ Alles andere hätte womöglich im Fiasko geendet, „wir wollten jetzt nicht als

klassische Stimmen einen auf dufte machen.“ Anders als früher, sagt sein Partner Jay Alexander, 38, „wollten wir nicht mehr hauptsächlich mit unseren Stimmen

punkten. So sind uns auf einmal gerade dank der Zurücknahme einstiger Pluspunkte, des tiefen Einbettens unseres Gesangs in die Musik völlig neue Klangfarben

gelungen, die es früher von uns einfach nicht gab und die jetzt vermutlich sogar alte Fans überraschen werden.“
Auch wenn Marshall & Alexander ein in Deutschland ziemlich einzigartiges Duo stellen, der Platz zwischen allen Stühlen bleibt ihnen vorerst noch erhalten.

„Die E-Musik-Anhänger“, so Marshall, „waren regelrecht entsetzt, als wir auf einmal in ihren Charts auftauchten. Und die Pop-Snobs finden bis heute, dass wir

einfach kein Pop sind.“ Jay Alexander sieht dieses Terrain fast als Privileg, „nicht viele Leute haben so freie künstlerische Hand wie wir. Sich nicht

festgelegt zu haben, bedeutet eben auch, sich in Wagnisse fallen lassen zu können.“
Damit sollten Skeptiker nun zum Umdenken bewegt werden können. Auf „FREUNDE“ sind 15 Songs versammelt, die ihre Wurzeln in der Pop- und Rockhistorie nicht

verleugnen. „Klar haben unsere neuen Gesangsharmonien Vorbilder“, meint Marc Marshall, „The Eagles, Crosby, Stills, Nash & Young, auch Simon & Garfunkel

lassen sich erkennen. All das Zeug eben, das sich immer so einfach anhört, in Wahrheit aber große Kunst war und ist.“ Damit


ihm und Jay Alexander die Metamorphose zum Pop-Duo auch gelingt, „haben wir uns Hilfe geholt und den Sänger Jeff Cascaro als Vocal Coach engagiert. Wir

wollten schließlich diese schönen, alten Stilistiken nicht einfach nur kopieren, sondern in einem neuen Umfeld lediglich andeuten.“
Ihr Produzent Frank Lauber hat sich alsdann auf die Suche nach kongenialen Musikern gemacht – und wurde grandios fündig. Der Pianist Roberto di Gioia, der

Bassist Timothy Levebvre, Matthias Meusel am Schlagzeug und Uwe Metzler an der Gitarre und der kongeniale Toningenieur Markus Born stellen dem Bariton

Marshall und dem Tenor Alexander ein furioses und stabiles Rückgrat. „Gemeinsam mit ihnen“, so Marshall, „haben wir, würde ich jetzt mal sagen, ungefähr die

Hälfte unserer Möglichkeiten ausgeschöpft. Ich könnte mir aber noch mehr vorstellen, ein Bluegrass-Album etwa, etwas A Capella oder die Integration anderer

Sänger in unseren Sound. Ich bin selbst sehr neugierig. Vor einem Jahr wusste ich ja noch nicht einmal, dass wir ein Album auf deutsch singen würden.“

Versucht hatten Marshall & Alexander das zwar bereits früher, „aber wir probierten dies halt mit unserem älteren Material“, erinnert sich Jay, „und das hat

einfach überhaupt nicht funktioniert. Es war ein langer Prozess bis hin zur Erkenntnis, dass mehr als nur die Sprache in Frage gestellt werden musste.“
Mit den Texten von Doris Decker, Kati Naumann, Pe Werner und Marc Marshall gelingt Marshall & Alexander jetzt ein wahrhaft überraschendes Kaleidoskop höchst

unterschiedlicher Songs, von der Ballade bis zur schwungvollen Humoreske wie „Mach’s noch mal“ oder „Wie weit ist Panama?“. Wer sich das demnächst begeistert

anhören wird? „Daran verschwende ich keinen einzigen Gedanken“, sagt Marc Marshall, „bei uns dürfen die Leute gern durchs Zielgruppenraster der Werber

fallen. Mich wundern immer die Statements von Kollegen, die sagen, sie wollten nicht für alte Leute singen, absolut nichts ahnend, wer denn wohl ihre Platten

kauft. Ich freue mich über jeden Zuhörer, ob er nun fünf oder 95 ist. Imagepflege kann so arrogant sein, sie wird mir auf ewig fremd bleiben.“ Und hilfreich

ist sie ohnehin nicht, wie Jay Alexander meint, „wir haben festgestellt, dass unsere älteren Zuhörer der ersten Jahre irgendwann zuerst ihre Kinder, dann

sogar die Enkel mitbrachten. Daraus ist für uns fast so etwas wie ein Zauber entstanden, der uns wieder und wieder berührt.“
Wer ebenfalls jenseits erlernter, empfohlener oder aufgezwungener Kategorien denkt und Musik hört, dürfte an „FREUNDE“ seine helle Freude haben. Im

Konzertsaal, ahnt Marc Marshall, wird sich die Klientel dann sowieso wieder in zwei Lager teilen. „Die Frauen lieben das Gefühlvolle und allerdings auch das

Rhythmische, die Männer haben lieber mal was zum Schmunzeln. Für sie entsteht allein schon dadurch Nähe, dass Jay nicht mehr viel Haar hat und ich ab und zu

fünf Kilo zu viel auf die Waage bringe. Und: Männer mögen das Normale, Frauen lieber das Unerreichbare.“ Was Marc Marshall und Jay Alexander in jener Villa

in Baden-Baden produziert haben, wird beide Parteien entzücken. Und so sind sich die beiden sicher, dass sie mit dieser unkonventionellen Produktion viele

neue „Freunde“ gefunden haben.

Meer info: http://www.mergelmusiland.nl/ &/of
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